Auf das Festival der schwarzen Szene, das M’era Luna in Hildesheim fahre ich nun schon seit 2001. Damals habe ich eine Menge Depeche-Fans kennengelernt und mit denen zusammen zum ersten Mal feststellen dürfen, "meine" Musik mit so vielen Gleichgesinnten zu erleben. War ein großartiges Spektakel und so hat es sich dann wohl ergeben, dass ich Jahr für Jahr immer wieder nach Hildesheim-Drispenstedt pilgere, um Musik zu hören und zu erleben, viele Freunde zu treffen und dabei jeweils einigermaßen betrunken zu sein ;)

Dieses Jahr war es irgendwie ein besonderes Festival. Alleine schon deshalb, weil uns die teilnehmenden Bands im Vorfeld nicht annähernd so geflasht haben wie sonst. Das allerdings gilt nur für den Samstag, an dem sich einige Bands im Line-Up befanden, die man schon vielfach gesehen hatte, teilweise auch schon in diesem Jahr (De/Vision zum Beispiel) und ein großer Haufen Bands, die man nun eigentlich wirklich nicht zwingend sehen wollte. Dazu muss ich sagen, dass es in der schwarzen Szene natürlich musikalisch wie auch modisch Unterschiede wie Tag und Nacht gibt. Die meisten Leute, die ich kenne und schätze, haben es eher mit der elektronischen Musik und da wir wussten, dass viele der bekannten Gesichter aus diesem Grund nur sonntags dort sein würden, haben wir – Katharina und ich – uns auch zum ersten Mal für ein Tagesticket entschieden.

Das war dann eigentlich der soweit unspektakuläre Auftakt zu dem Festival, und wäre nicht meine gute Freundin Sabrina gewesen, wäre es vermutlich auch ein durchschnittlicher Festival-Tag geworden. Diese Freundin jedoch – im Internet als Lady Astaroth unterwegs – bescherte uns unverhofft Backstage-Pässe für den Headliner "The Prodigy". 

Mit einiger Spannung und einem guten Gefühl machten sich Katharina und ich vormittags in Braunschweig auf dem Weg – das gute Gefühl war dann direkt verschwunden, als uns an der VIP-Kasse mitgeteilt wurde, dass unsere Namen nicht vermerkt waren. Eine knappe Stunde und ‘nen Haufen Telefonate zwischen Lady Astaroth, Ina Kahle (vom Veranstalter FKP Scorpio) und dem Management der Band später waren wir dann drin, und machten uns direkt auf den Weg zu meinem tapferen Wegbegleiter durch neun Jahre M’era Luna – Zoni. Leider hatten wir Vasis Auftritt durch die Schwierigkeiten am Einlass schon versäumt, nichtsdestotrotz konnte man an Zonis Zelt mit einer feinen Whiskey-Cola-Mischung einen schönen Festivaltag beginnenießen.

Gibt es Festivals, die Ihr Jahr für Jahr besucht? Es kommen natürlich immer wieder Bands dazu, die man noch nicht gesehen hat, man trifft neue Leute und die Zelte der bekannten Leute stehen natürlich jedes Jahr woanders – und dennoch ist alles sehr vertraut. Man kennt die Wege, weiß sogar, wo welche Fress-/Saufbude steht und den Fussmarsch zu den beiden Bühnen könnte man mittlerweile blind und im Schlaf gehen. Diese Mischung aus Altvertrautem und den Dingen, die neu und überraschend passieren sind es wohl auch, die solche Festivaltage immer wieder aufs Neue zu Erlebnissen machen.

Unser erster Weg führte uns in den Hangar, wo wir Spetsnaz sehen wollten. Naja, es war nicht wirklich der erste Weg, denn der führte uns zum festival-internen Getränkemarkt, der dieses Jahr erstmals mit dem halben Liter Bier für nen Euro aufwarten konnte. Für den gleichen Preis gab es übrigens auch 1,5 Liter Wasser. Ganz großes Kino, wie ich finde, da hat sich Scorpio wirklich was einfallen lassen. So wollte man auf der einen Seite verhindern, dass die Besucher Unmengen Glaspullen aufs Gelände schmuggeln und gleichzeitig konnte man sogar noch ein gutes Werk tun, da man das Pfandgeld vor Ort direkt für Viva con agua spenden konnte. 

Die Spetsnaz-Jungs hatten leider früher als erwartet angefangen, haben aber wie gewohnt den Hangar gerockt mit ihrem Old School-EBM:

 

 

Danach waren dann unsere Freunde Tom, Casi und Frankcesco von [:SITD:] an der Reihe. Genau wie schon Spetsnaz vorher profitierten die Jungs von der signifikant verbesserten Akustik im Hangar. Jetzt machen elektronische Gigs jedenfalls richtig Spaß in der Halle, das war hier vorher wirklich nicht immer so :)

 

Bei diesem Auftritt stießen dann auch Sabrina und ihre Freundin Alex zu uns und mit denen sind wir dann nach dem Konzert auch zum ersten Mal hinter die Bühne gegangen. Erstes Ziel dort war – wie sollte es anders sein – die Toilette. Festival-Toiletten sind ja so Dinge, auf die man angewiesen ist, die man aber dennoch tunlichst zu meiden versucht. Schon unter diesem Gesichtspunkt waren die Backstage-Pässe Gold wert ;)

Man hatte einen weiteren Hangar zurecht gemacht für die Bands, in denen es einen Catering-Bereich gab und die Backstage-Räume der Künstler. Draußen gab es zudem noch einige Sitzgelegenheiten, die außer von uns auch von den Crüxshadows, Zeromancer und Veljanov genutzt wurden. Rogue von den Crüxshadows und Veljanov schienen sich übrigens einen erbitterten Frisuren-Contest zu liefern – strange sahen sie jedenfalls beide aus, Rogue allerdings weniger unfreiwillig komisch ;)

 

 

Ihr kennt das ja mit dem Propheten und dem Berg – und da sich von unseren Freunden außer Vasi Vallis draußen niemand blicken ließ, haben wir uns einfach auf den Weg zur [:SITD:]-Kabine gemacht. Vorbei an – glücklicherweise – leicht bekleideten Crüxshadows-Mädels fanden wir den Raum auch schnell und ernteten nach dem Entern desselben gleichermaßen überraschte als auch erfreute Gesichter der Band. Es gab eine Menge Drinks, Knabberzeugs, Obst und einen Haufen dummes Zeug, der geredet werden wollte, also blieben wir da ;)

tomundkatharina 

Es entwickelte sich einer der spaßigsten Nachmittage seit langem, getrübt allein durch den Umstand, dass Zoni nicht mit dabei sein konnte – bei unserem Jubiläum nächstes Jahr sieht das wieder anders aus, das verspreche ich Dir, Patrick :)

Wir verließen später den Backstage-Bereich nach dem Tyske Ludder-Gig, um IAMX wieder aus dem Publikum zu genießen. Chris Corner ist scheinbar für die Bühne geboren, viel charismatischere Frontsäue gibt es definitiv nicht in der Musikszene. So hat er Katharina und mich auch direkt wieder voll geflasht – egal, wo IAMX auftreten, sie sind immer eines der Highlights des Events.

 

Danach ging es zurück hinter die Bühne und wieder auf die Toilette, wo ich dann auch das erste Mal auf Prodigy-Frontsau Keith Flint traf. Ehrt ihn, dass er mich beim Reinkommen grüßte, obwohl er am Pinkelbecken augenscheinlich beschäftigt war ;) Wir fachsimpelten kurz darüber, dass an der Wand durchaus drei statt zwei dieser Becken Platz finden könnten und dann ging jeder wieder seines Weges. Die sollten uns dann später auf der Bühne wieder zusammenführen, denn dank Sabrina konnten wir uns diesen Gig direkt von der Bühne aus anschauen. Neun Jahre M’era Luna und jetzt endlich konnte man mal einen Blick von der Hauptbühne auf die feiernde Meute werfen – ein großartiges Erlebnis, welches nicht so leicht zu toppen sein dürfte. Daher zeig ich auch hier mal mein kurzes Video, welches genauso kurz wie schlecht gefilmt ist, aber zumindest dokumentiert, von wo aus wir uns "The Prodigy" angeschaut haben </angeberei>

 

Ein mächtiger Muskelkater an den nächsten Tagen bescheinigte mir, dass ich von meinem Platz aus nicht viel weniger getanzt haben konnte als Maxim und Keith bei ihrem phänomenalen Konzert. Vorher wurde viel gemunkelt, wieso man so eine "Techno-Kapelle" auf eine schwarze Bühne stellt und dann auch noch als Headliner. Solche Gedanken sind mir eh fremd, weil ich da vermutlich nicht ganz so verbohrt sind wie viele Szene-Gänger. Aber scheinbar finden sich auch in unserer Szene genügend tolerante Menschen, denn das Gelände vor der Bühne war rappelvoll und die Band wurde auch von uns "Schwarzkitteln" begeistert gefeiert – zu recht :)

Danach gab es dann noch weitere entspannte und witzige Momente mit den SITD-Jungs – bis dann Sabrina ankündigte, dass wir jetzt zur Band dürften, wenn wir den Lust hätten, The Prodigy zu treffen. In diesem Zusammenhang fiel dann auch der – natürlich im Spaß gesagte – Satz, der mir den Blog-Titel des heutigen Beitrages geliefert hat. Welches SITD-Mitglied welches The Prodigy-Mitglied damit gemeint hat, behalte ich aber lieber mal für mich – alles müsst Ihr auch nicht wissen ;)

Nachdem Alex verunsichert schien, was die Menge der Begrüßungsküsschen auf Keith Flints Wange anging, entgegnete er genauso spontan wie trocken: "Kiss as you mean it". Ein Satz, der sich bei uns allen eingebrannt haben dürfte ;) Tom und Sabrina holten sich ihre Fotos mit Keith ab, zudem scheiterte Tom mit dem Versuch, selbst ein gescheites Foto von Keith zu machen. Aber immerhin konnte man sich darauf verständigen, das Keith Flint sich eine CD von SITD reinziehen will – ich drücke jedenfalls die Daumen, dass die Jungs dann zur nächsten Tour von The Prodigy als Support gebucht werden ;)

Danach – weil Katharina leider montags früh rausmusste – verließen wir nach langer Verabschiederei dann endgültig den Backstage-Bereich und nahmen wieder Kontakt auf mit Zoni, bei dem wir uns – beschallt von Punk-Weihnachtsliedern *g* – auf ein letztes Bierchen trafen und uns natürlich für das nächste M’era Luna verabredeten. :)

Und nochmal lieben Dank an Sabrina, die uns das Event so besonders gemacht hat. Sie betreut übrigens die deutsche Prodigy-Page prodigy-net.de. Darüber hinaus ebenfalls lieben Dank an die ganzen lieben Menschen, die wir vor und hinter der Bühne getroffen haben wie Tom, Frank und Casi von SITD, Vasi, Jens, die süße Miri und natürlich Zoni und vor allem Katharina, ohne die sowas immer nur halb so viel Spaß macht :)