Hat man es geahnt? Hmm, zuletzt nicht mehr. Hat man darauf gehofft? Nee, eher resigniert und für die nächsten Dekaden sämtliche einstelligen Platzierungen abgehakt. Aber nun – aus heiterem Himmel – soll es wohl doch so sein: Stefan Raab hilft der ARD auf die Sprünge und wird ab 2010 in einem groß angelegten Vorausscheid den Künstler ermitteln, der uns beim Eurovision Song Contest in Norwegen vertritt!

Na wenn das mal kein Paukenschlag ist, um mal im Thema Musik zu bleiben. Es sah bereits danach aus, als würde der ARD-Unterhaltungsdampfer orientierungslos durch die europäischen Schlagermeere treiben, nachdem Raab müde abgewunken hat (weil sich zu dem Zeitpunkt niemand bei der ARD auch nur im Ansatz auf Raabs Ideen einlassen wollte).

Nun auf einmal dann doch. Ich finde es toll, ehrlich gesagt. Der Wettbewerb ist irgendwie sowieso im Arsch, oder nicht? Einer gewinnt, und alle anderen schimpfen auf Nachbarn, die nur für Nachbarn voten, auf schlechte Bedingungen vor Ort oder was auch immer. Der deutsche Zuschauer hatte sich daran gewöhnt, dass für uns nichts zu holen ist – und das, obwohl man mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder zum Geheimfavoriten auserkoren wurde. Die Betonung lag da scheinbar eher auf Geheim als auf Favorit.

Wie auch immer. Raab und die ARD haben sich zusammen mit Pro Sieben ein Konzept ausgedacht, welches vorsieht, dass der Raab-Sender fünf Qualifikationsrunden überträgt, die ARD das Viertelfinale, Pro Sieben das Halbfinale und die entgültige Entscheidung sehen wir dann wieder in der ARD. Dabei setzen alle Beteiligten nicht auf große Namen, sondern auf junge, unverbrauchte und vor allem unbekannte Künstler.

Wenn irgendjemand in Deutschland in der Lage ist, sowas vom Unterhaltungsblickwinkel aus attraktiv aufzuziehen und dann unter dem Strich dennoch einen wirklich guten Künstler zu präsentieren, dann ist das wohl Stefan Raab, der sowohl von seinem Gespür für TV-Formate, Künstler und Trends als auch von seinen Produktionen seit Jahren im Godmode unterwegs ist.

Ab jetzt kann Deutschland gar nicht mehr verlieren, denn entweder schneiden wir viel besser ab als in den Jahren zuvor, was ihm dann zuzuschreiben wäre, oder wir landen wieder im hinteren Feld und haben ab da dann die Gewissheit, dass man gar nicht gewinnen kann gegen diese Mauschelei und Punkte-Zuschieberei, wenn sogar die Lichtgestalt Raab scheitert ;)